Lange haben wir uns auf den Besuch von Justin Marva und Elizabeth Mattia
vorbereitet und nun liegen die zwei Wochen Besuchsprogramm schon hinter uns. Wir
erfreuen uns an den vielen Schnappschüssen und erinnern uns an die schöne
gemeinsame Zeit mit unseren Gästen.
Wieder einmal haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Partnerschaft vom
persönlichen Kontakt lebt: wir haben miteinander Gottesdienst gefeiert, geredet,
gelacht, gesungen, getrommelt, gebetet, gekocht, gegessen und gespielt. Wir
haben einander zugehört und neu dazugelernt. Wir haben unsere Visionen
ausgetauscht und überlegt, was in Zukunft für unsere Partnerschaft wichtig sein
wird. Für zwei Wochen war Partnerschaft zum Anfassen da und konnte intensiv
erlebt werden.
Wir haben Email-Adressen ausgetauscht und Skype-Konten für die Internet-Telefonie eingerichtet. Dank Internet haben wir nach der Rückreise der Beiden schon einige Emails ausgetauscht und erstmals ein Skype-Gespräch mit Elizabeth geführt.
Justin hat unmittelbar nach seiner Ankunft in Bo geschrieben: „I’m finally in Bo very safe and sound. Everybody is just too happy to see me again.“
Und Elizabeth schrieb kurze Zeit später: „Dear brothers and sisters in
Christ,we have safely returned home and our families are happy. We have held our
first branch meeting in which (we gave) a vivid report on our experiences and
encounters during the exchange in Germany. All gifts and letters were also
diabursed accordingly in that meeting. Members appreciated them and were happy
to know that our partners (will) help us build a structure for our branch.
Thanks
and God bless you all abundantly.“
Justin und Elizabeth hatten zwar ein anstrengendes Programm, aber so konnten sie auch die verschiedenen Zielgruppen über Sierra Leone und den YMCA informieren und wurden nicht müde, die vielen Fragen zu beantworten.
Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Partnerschaft zwischen dem Frauentreff Altenvoerde und dem Womens Wing Bo nun besiegelt ist und dass unsere Besucher auch im CVJM Voerde, im CVJM Schwelm und im CVJM Langerfeld zu Gast waren.
Für einen Tag waren zusätzlich noch die beiden Delegationsleiter Christian
Kamara und Siaka Charles vom Nationalverband des YMCA Sierra Leone in
Altenvoerde zu Gast und haben eine vergnügliche Führung in der Kluterthöhle
miterlebt. Im Anschluss daran sagte unsere „Führerin“: „Sie haben aber nette
Gäste!“
Eine kleine Anekdote zum Schluss: Während des Empfangs beim Bürgermeister
fragte Herr Wiggenhagen Justin, was wir am Sonntag vorhätten – er wollte mit der
Frage auf die Veranstaltung „Ennepetal auf Rollen und Rädern“ hinaus - und
Justin antwortete: „We are going to church!“
Was für eine Frage!
In diesem Sinne herzliche Grüße von
Martina Schmidt-Hagemeier
In der Nacht des 3. Oktobers ging es los mit voll gepacktem Auto Richtung Brüssel zum Flughafen. Nach sechsstündigem Flug landeten wir zuerst in Dakar, und nach einer weiteren Stunde Aufenthalt ging es endlich weiter nach Freetown – Sierra Leone.
Die ersten Stunden nach der Ankunft waren schon absolut überwältigend. Da es nicht immer Strom gibt, helfen sich die Menschen mit kleinen Öllampen aus, die allerdings nicht besonders viel Licht spenden. Somit fuhren wir mit unserem maßlos überfüllten Bus (Gepäck auf dem Dach, Gepäck auf dem Schoß…) zur Fähre, die uns dann endlich nach Freetown brachte. Nachdem wir im YMCA Hostel einen kleinen Snack zu uns genommen und unsere Mückennetze über die Betten gehängt hatten, bekamen wir die ersten Eindrücke von der Millionenstadt Freetown vom Balkon des Hostels aus. Am nächsten Tag wagten Adi, Alex und ich die ersten Schritte aus dem Hostel hinaus und kamen auch direkt in Kontakt mit der Polizei, da Adi das Regierungsgebäude fotografiert hatte, was, wie wir jetzt wissen, strengstens verboten ist. Nachdem er die Bilder vor den Augen des Polizisten gelöscht hatte und sie uns ein par Fragen gestellt hatten, durften wir gehen und fuhren mit der ganzen Gruppe zum Strand. Nach Schwimmen und Rumtoben im Wasser war der ganze Vorreise-Stress vergessen und es konnte richtig losgehen. Am Morgen des nächsten Tages fuhren wir (natürlich war das Auto viel zu voll) über Afrikas Off-Road-Pisten nach Bo. Die Fahrt dauerte ungefähr 5 Stunden, fühlte sich aber wie 8 Stunden an.
In
Bo angekommen wurden wir von unseren Partnern sehr herzlich im Regionalzentrum
empfangen. Für die meisten war es das erste Treffen und für andere ein
Wiedersehen nach langer Zeit. Unser Hotel, in dem wir untergebracht waren, war
spitze. Alle 11 konnten, wenn sie wollten, ein eigenes Zimmer mit eigener
Toilette und Dusche beziehen. Mit durchgehend fließendem Wasser und Ventilator!
Dieser funktionierte auch, wenn der Strom abgeschaltet wurde, denn dann fing
nach einigen Minuten der hoteleigene Generator an zu brummen. In den nächsten
Tagen passierte so viel, dass uns drei Tage wie zwei Wochen vorkamen. Wir
besuchten alle Leute, die in Bo etwas zu sagen haben, vom Bürgermeister bis zum
Polizeichef. Bei jedem Treffen wurden wir einzeln vorgestellt und anschließend
wurden einige Geschenke überreicht. Wie zum Beispiel ein Brief des
Bürgermeisters Michael Eckhard und ein Bildband von Ennepetal an den
Bürgermeister von Bo. Unsere Partner zeigten uns auf einer Reisfarm, die mitten
im Busch lag, wie Reis angebaut und geerntet wird. Diese Reisfarm ist ein
Projekt des YMCA Sierra Leone. Auf dem gleichen Weg besuchten wir auch ein
Amputierten-Camp, in dem Menschen leben, die im Bürgerkrieg z.B. die Arme
abgeschlagen bekommen haben.
Weiterhin wurde uns gezeigt, wie man den größten Schatz aus Sierra Leones
Boden holt. Wir fuhren zu einer Diamantenmine, welche wieder mitten im Busch
lag. Dort angekommen, wurde uns von den Arbeitern gezeigt, wie hart die Arbeit
und wie groß der Aufwand ist um ein par kleine Diamanten zu finden.
Egal,
wo wir hinkamen, waren die Leute begeistert und winkten uns zu. Manche Kinder
lachten, aber manche fingen auch an zu weinen, da sie vorher noch nie einen
Weißen gesehen hatten. In unserem Partnerverein Manjama-Bo nahmen wir an der
Vorstandssitzung und an der Jahreshauptversammlung teil. Wir sprachen über die
derzeitige Situation des Vereins und über die Pläne für die Zukunft. In den
Abendstunden im Hotel wurde dann meistens bei einem Star Bier der Tag mit den
anderen aus der Gruppe besprochen und die Erfahrungen, die gemacht wurden,
ausgetauscht.

Die Frauen der Vereine versorgten uns wunderbar mit leckeren Essen. Beim Essen fand auch meistens der Austausch über die unterschiedlichen Kulturen und deren Gebräuche statt. Zum Beispiel isst man in Sierra Leone den Teller nicht ganz leer, damit die Kinder noch etwas abbekommen, die nicht mit am Tisch sitzen!
Es gab viele Unterschiede über die wir zum Teil gestaunt oder gelacht haben.
Der gesamte Aufenthalt war sehr gut organisiert und man spürte, dass sich die Vereine richtig Mühe gegeben haben und dass ihnen die Partnerschaft viel bedeutet. Nach der schönen Zeit in Bo hieß es Abschied nehmen. Wir fuhren aus dem ruhigen, ländlichen Bo wieder zurück in die laute, schmutzige und chaotische Stadt Freetown. Die Straße war natürlich nicht besser geworden und das Auto war auch wieder hoffnungslos überladen, doch das erstaunte uns nun gar nicht mehr. Im Gegenteil, das ständige Auf und Ab und Hin- und Hergeschleuder hatte auch etwas Beruhigendes, so dass ich die meiste Zeit schlief.
Im Hostel bezogen wir unsere alten Zimmer und trafen die Leute der Gruppe, welche in Freetown und Umgebung geblieben sind. Am nächsten Tag erlebten wir ein Highlight der ganzen Reise, den Besuch am Strand River No.2. Ein paradiesischer Strand, an dem unsere Gruppe ganz allein war, mit Bergen im Hintergrund und wunderbaren Wellen.
Genau
wie in Bo wurden wir auch dem Bürgermeister von Freetown vorgestellt. Am letzten
Tag vor der Abreise schauten wir uns ein Projekt des YMCA in der Kroo Bay an.
Die
Kroo Bay ist einer der Slums von Freetown. Am Abend gab es eine große Feier zum
30-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen dem CVJM Westbund und dem YMCA
Sierra Leone. Zu dieser Feier war auch der deutsche Botschafter und seine Frau
anwesend. Der Botschafter war über eine so große Gruppe von Deutschen in Sierra
Leone sehr erstaunt und meinte, so viele auf einmal hätte er nur selten als
Gäste in Sierra Leone.
Nach gutem Essen, viel Musik und einigen Star Bieren ging auch dieser Abend zu Ende. Am nächsten Tag hieß es nun endgültig Abschied nehmen und wir machten uns auf den weiten Weg nach Hause.
Die Reise hat sich absolut gelohnt. Wir haben viele tolle Erfahrungen gemacht und eine Menge klasse Leute kennen gelernt.
Sven Hagemeier